Unternehmen im Fadenkreuz
In den letzten Wochen und Monaten häuft sich weltweit die Anzahl der Angriffe auf namhafte Unternehmen. Meistens wurden diese von “Cyber-Kriegern” aus dem privaten Sektor ausgeführt. In der Presse tauchten dabei in erster Linie zwei Gruppierungen auf, die sich zu zahlreichen Angriffen, zum Beispiel auf Sony oder die GEMA, bekannt haben: Einmal ist da „Lulz Security“ (LulzSec), eine Gruppe, die sich eher einen Spaß daraus macht, Unternehmen anzugreifen und dann Informationen ihrer Trophäen zu veröffentlichen, zum anderen berüchtigt ist das lose Hacker-Bündnis „Anonymous“, welches einen politisch-ideologischen Hintergrund besitzt; so war zum Beispiel der per Youtube-Video verkündete Angriff auf die GEMA als Protest gegen selbige wegen der stockenden Gebühren-Verhandlungen zwischen Youtube und GEMA deklariert.
Man kann die Angriffe per “Distributed Denial of Service” (DDoS) von Anonymous durchaus nur als „Scriptkiddietum“ abtun, die Angriffe von „LulzSec“ (Lulz Security) jedoch sind von technischem Sachverstand gekennzeichnet. Das Internet, wie wir es heute kennen, bietet eine Menge Möglichkeiten, anonym zu agieren und somit unentdeckt zu bleiben. Angriffe, wie oben beschrieben, könnten jedoch dazu führen, dass stärkere Regularien etabliert werden, durch die die allgemeine Freiheit im Internet, von der auch die Unternehmen profitieren, immens gefährdet wird.
Bei den Angriffen liegt auf der einen Seite die technische Machbarkeit als Motivation zugrunde; dies ist aber mittlerweile oft nur noch der zweite Schritt, ein Unternehmen zu hacken. Im Ersten erfolgt die Auswahl eines geeigneten Unternehmens; in der Zielauswahl findet derzeit ein drastischer Wandel statt. Wurden früher noch eher wahllos Rechner von irgendwelchen Unternehmen angegriffen, erfolgen die Angriffe inzwischen sehr genau mit nicht-technischen Zielen.
Unternehmen konnten zu Zeiten des nicht-digitalen Bestehens schalten und walten, wie sie wollten. Aus Sicht von Protestbewegungen gab es im Vergleich zu heute nicht viele wirksame Möglichkeiten, etwas zu tun: Es gab die Demonstrationen vor Gebäuden der Unternehmen oder im öffentlichen Raum, die Ausübung von Druck auf die Mandatsträger oder schlicht den Boykott von Produkten.
Jedoch haben die Unternehmen sich dem Diktat der weltweiten Vernetzung unterworfen: einerseits aus dem wirtschaftlichen Zwang der Kostenersparnis, andererseits wegen des großen Potentials der Produktivitätssteigerung. Unternehmen egal welcher Branche, ob Strom oder Finanzwesen, neigen dazu, ihre lebenswichtigen Daten und exklusives Firmenwissen mittels IT von A nach B zu verschicken und ihre wichtigsten Prozesse immer mehr durch IT abzubilden. Grundsätzlich gilt jedoch: IT ist veränderbar, auch zum Schlechten, IT ist verwundbar, und IT ist im Gegensatz zu Papier nicht geduldig.
Die global agierenden Unternehmen haben übersehen, dass ihr Handeln, welches oft auch negativ aufgenommen wird, für sie in der heutigen, durch und durch digitalisierten Welt zu einem Bumerang werden kann. Ein Protest gipfelt nun nicht mehr im Werfen eines Brandsatzes gegen ein Firmengebäude, sondern erreicht vollkommen neue Dimensionen, die für die betroffenen Unternehmen nicht oder nur sehr schwer eindämmbar sind. Unternehmenspolitik muss sich daher im Einklang mit der Transformation zur neuen, digitalen Gesellschaft bewegen, sonst werden die Proteste nicht nur in ihrer Zahl sondern auch in ihrer Qualität zunehmen. Angriffe im Rahmen von Protest können letale IT-Adern kappen, was den unternehmerischen Tod zur Folge hätte.





haste schön gemacht
Hallo, schöner Beitrag. Ich kann nicht verstehen, wie so viele Leute die Atomkraft ablehnen (was sich nicht zuletzt in den Wahlergebnissen zeigte) und dann aber nicht bereit sind, im eigenen Haus auf Ökostrom umzusteigen. Es gibt doch mittlerweile genug Anbieter und bezahlbare Tarife.