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Nerd-Lobbyismus

In den letzten 10 Jahren habe ich einige “Nerds” kennen gelernt. Menschen, die mich nicht näher kennen, würden mich aufgrund meines Berufes als Profi Hacker ebenfalls in diese Schublade packen.

Dabei empfinde ich das Wort “Nerd” als Beleidigung. Für mich stellt es eine Krankheit dar.  Oft treffe ich bei Vorträgen oder Podiumsdiskussionen auf so genannte “Nerds”, die ihre Interessen vertreten wollen. Fachlich sind sie meist Kompetent, jedoch ist ihre Art, ihre Meinung zu kommunizieren, meistens zweifelhaft.

In diese Diskussionsrunden sitzen Manager, die eine nicht so hohe IT Kompetenz aufweisen. “Nerds” setzen viel zu oft voraus, dass Manager die “nerdische Sprache” verstehen. Sie benutzen Fachausdrücke, die sonst niemand versteht. Manche “Nerds” tun dies jedoch auch absichtlich. Sie wollen beweisen, wie kompetent sie sind und drücken sich daher zu hochgestochen aus.  Dabei könnte man ohne Probleme mit Hilfe von Analogien arbeiten um komplizierte Sachverhalte zu vereinfachen und dem Laien zu erklären.

Dabei gilt: Wenn ich jemanden erreichen möchte, muss ich ihm das Gefühl geben, dass ich mit ihm auf einer Augenhöhe diskutiere, dass ich die selbe Sprache spreche. Das ist wichtig, denn andernfalls versteht der Empfänger nichts, sieht mich als Fachidiot und tut mich als Sonderling ab.  Man muss  die richtigen Förmchen mitbringen wenn man in einem fremden Sandkasten spielen will.

Dazu ist es in “Nerd”- Kreisen üblich, Dresscode bashing zu betreiben. In meinen Augen ist das ist arrogant. Mehr nicht.  Nicht jeder, der ein Anzug trägt, ist ein gieriger, machtgeiler Verbrecher. Selbst im Bankenwesen nicht. Das Zauberwort lautet hier: Differenzierte Betrachtung.

Es ist ein Irrglaube, dass man mit Jeans und T-Shirt seine politische Meinung voranbringt. Entscheidungsträger tragen keine Jeans und T-Shirts. Wenn man etwas von einem Establishment will muss man gewisse Regeln befolgen. Es reicht nicht nur, etwas besser zu wissen. Es ist genauso, wenn nicht sogar wichtiger,  dies auch zu präsentieren.

Viele “Nerds” sagen auch gerne: “Die wollen doch etwas von mir, also kann ich kommen wie ich will.” Es ist aber genau umgekehrt. Der “Nerd” will etwas verkaufen. Also hat er sich dem anzupassen, dem er etwas verkaufen möchte.

Die richtige Wahl der Kleidung hat auch etwas mit Respekt gegenüber dem Gesprächspartner zu tun. Besonders im asiatischen und orientalischen Raum gehört es sich, sich korrekt zu kleiden. Es geht nicht um egoistische Selbstverwirklichung (Ich zeig denen wer hier rockt…) sondern um Anstand und Respekt gegenüber einer anderen Kultur.

Also liebe “Nerds”: Lernt “sozialer” zu werden. Die anderen werden euch dafür danken. Man kann nicht immer erwarten, dass andere komplexe Sachverhalte sofort verstehen. Nicht jeder ist ein Computer Experte.  Wie würde sich denn ein “Nerd” vorkommen, wenn ihm ein Arzt alles auf  Latein erklärt?  Sicherlich genau so hilflos wie der Manager, der in einem Vortrag sitzt.

Wenn die Nerds nicht so nerdig Gralhüterei betreiben und ihren Elfenbeinturm so vehement verteidigen würden, würde die Regierung z.B. eher in der Lage sein eine “realistische” Politik bezüglich des Webs zu machen. Aber das wollen sie ja nicht. Sie wollen Gandalf der Graue bleiben und im gegebenen Falle zur Rettung eilen um als Helden gefeiert werden. Sie verstehen aber auch nicht, dass der schnieke Aragorn Liv Tyler fickt, und Gandalf von Luft statt Liebe lebt.