Google Streetview: Das Ibiza-Syndrom Oct24

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Google Streetview: Das Ibiza-Syndrom

Google Streetview ist in aller Munde und voll im Trend. In ganz Europa? Nein!
Ein einziges Land wehrt sich vehement gegen Google Streetview; Deutschland, das Land, welches Überwachung jahrelang mit Bravour praktizierte.
Die Bürger der Bundesrepublik schreien auf und fühlen sich überwacht, von der Öffentlichkeit verfolgt und in ihrer Privatsphäre angegriffen. Unverständnis, aber auch Medienpropaganda führten dazu, dass die Deutschen beinahe eine „Streetview-Panik“ entwickelten.

Da ich mich aufgrund meiner Arbeit als Hacker und Sicherheitsspezialist zwingend mit der Thematik Datenschutz beschäftigte, bin ich in der Lage qualitativere Hintergrundinformationen zu benennen, als die oberflächlichen Aussagen der Presse, welche bei dem Empfänger ungefiltert meinungsbildend fungieren. In Deutschland haben ca. 244.000 Haushalte Widerspruch gegen Streetview eingelegt. Sie möchten nicht, dass in dem Programm ihr Haus, ihr Garten oder ihr Dach erkenntlich gemacht wird.

Die Gründe sind auf den ersten Blick nachvollziehbar und verständlich. Die besagten Personen fühlen sich primär in ihrer Privatsphäre angegriffen und verletzt. Sekundär gaben sie schlicht Angst vor Überwachung, wie auch vor Überfällen von Einbrechern, als Gründe für einen Widerspruch an. Auf die Frage, ob sie genau wissen, wie und für was genau Streetview funktioniere, verneinten 40% der Personen.

Kann im Falle Google Streetview überhaupt von totaler Überwachung gesprochen werden?
- Nein! Menschen müssen nur verstehen, was Streetview bedeutet und welche Möglichkeiten es bieten kann, anstatt, sich vor lauter Angst, genau diesen zu verschließen.

Die Argumente der Streetview Befürworter, zu denen ich mich selbst auch zähle, sind logisch und nach einer Auseinandersetzung damit auch überzeugend.

1. Google fotografiert zwar Gebäude im öffentlichen Raum und ermöglicht durch Filmaufnahmen einen klaren Überblick von Landschaften und Wohngebieten, jedoch kann man hierbei keinesfalls von professioneller Spionage sprechen. CCTV London beispielsweise, welcher mit Hilfe von in der Innenstadt positionierten Kameras 24 Stunden Aufnahmen ermöglicht, betreibt diese Art von Spionage.
Der CCTV ermöglicht, Personen über Bezirke hinweg zu überwachen um dadurch Bewegungsprofile von ihnen zu erstellen. CCTV besitzt dabei mehrere Softwarelösungen wie zum Beispiel für die Gesichtserkennung einer verdächtigen Person- nicht gerade Privatsphäre und Datenschutz par exellence.

2. Google hingegen verwendet statisches Bildmaterial, keine Filmaufnahmen, welche sich von selbst aktualisieren und kann deshalb derartige Funktionen gar nicht leisten. Spionage mittels Fotoaufnahmen, wie man sie auch aus Kriminalfilmen kennt, funktioniert mit Streetview auch nicht. Es können keinerlei Profile angefertigt werden. Profile von Einzelpersonen können nur erstellt werden, wenn auf den Fotos zu den Personen entsprechende Informationen angezeigt werden (Anschrift, Merkmale, Polizeizeugnis), dies ist weder in Planung noch im Gespräch. Google hat sich zusätzlich dazu verpflichtet, die Gesichter unkenntlich zu machen, so dass Menschen nicht erkannt werden können.

3. Da die Bilder aufgrund von Fotografien und einmaligen Filmaufnahmen zusammengesetzt wurden, ist die Gefahr, dass Enbrecher damit angelockt werden können, recht gering. Natürlich ist erkenntlich, ob ein Haus besonders groß oder prunkvoll ist, jedoch sieht man in keiner Weise Aktualisierungen im Stundentakt, bei dem Einbrecher durchaus sehen könnten, ob jemand zuhause ist oder nicht.

Auch dieses Argument also: ein reines Produkt der Unwissenheit.

Was passiert eigentlich wenn einer der Bewohner der 244.000 Haushalte nach Ibiza in den Urlaub will, würden diese Menschen nicht vorher per Google Streetview das Hotel und die Umgebung “ausspionieren”?